Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bei der Eröffnung der Hannover Messe eine Reaktion der Bundesregierung auf den drohenden Kerosinmangel angekündigt. Merz erklärte am Sonntagabend im Kongresszentrum, dass “sehr zeitnah ein Nationaler Sicherheitsrat zu dem Thema Versorgungssicherheit einberufen” werde. Die Kerosinversorgung gelte momentan als angespannt, aber noch als sicher. Der Bundeskanzler betonte jedoch, dass die Regierung auf Maßnahmen vorbereitet sei. Diese Ankündigung unterstreicht die wachsende Sorge über die Stabilität der Energieversorgung im Kontext globaler Spannungen und potenzieller Versorgungsengpässe, die sich aus internationalen Konflikten ergeben könnten. Die Einberufung des Sicherheitsrats signalisiert eine hohe Priorität für dieses kritische Infrastrukturthema.
Merz’ Erklärung folgt auf dringende Forderungen von Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD), der die Warnungen vor Kerosinknappheit sehr ernst nimmt. Klingbeil forderte nicht nur das Preisproblem anzugehen, sondern jederzeit auch die Versorgungssicherheit im Blick zu haben. Diese Mahnung richtete sich indirekt an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die in der Vergangenheit primär ein Preisproblem in der deutschen Energieversorgung gesehen hatte. Die Dringlichkeit des Themas wurde durch eine konkrete Warnung des Chefs der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, verstärkt. Birol wies darauf hin, dass Europa aufgrund des Irankriegs schon in sechs Wochen Probleme bei der Versorgung mit Flugzeugtreibstoff bekommen könnte, eine Warnung, die Klingbeil beim IWF in Washington aufgriff.
Vizekanzler Klingbeil betonte auf dem Rückflug, dass die Situation ähnlich herausfordernd sei wie die Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und “größer und hartnäckiger ist, als viele glauben.” Ministerin Reiche kündigte daraufhin ein Treffen mit den Spitzen der deutschen Luftfahrtindustrie für diesen Montag an, um die Lage zu besprechen. Sie versicherte, dass das Bundeswirtschaftsministerium die Kerosinversorgung am Standort Deutschland ständig bewerte und die Bundesregierung informiere. Obwohl die Versorgung derzeit gesichert sei, werde man die weltweiten Marktentwicklungen und deren mögliche Auswirkungen genau beobachten. Reiche forderte zudem die EU-Kommission auf, einen Plan zu erarbeiten, der die Sicherstellung der Versorgung aller Flughäfen und Strecken innerhalb der EU gewährleistet.
Das Thema Energiesicherheit drängt zusätzlich wegen der geschlossenen Schifffahrtsstraße von Hormus erneut hoch auf die Tagesordnung. Der Nationale Sicherheitsrat der Bundesregierung könnte am Mittwoch im Rahmen der regulären Kabinettssitzung tagen, auch wenn ein Regierungssprecher das genaue Datum noch nicht bestätigt hat. Bei den Beratungen wird voraussichtlich die gesamte Energieversorgung eine zentrale Rolle spielen. Laut Wirtschaftsministerin Reiche sind erhebliche Reserven an Rohöl und Ölprodukten vorhanden. Der Erdölbevorratungsverband verfügt aktuell über etwa eine Million Tonnen Kerosin, was rechnerisch selbst bei zukünftigen Engpässen eine Überbrückung von etwa fünf Monaten ermöglichen würde. Das Ziel sei eine Freigabe der Reserven “mit Augenmaß und tatsächlichem Bedarf”, um die Versorgung stabil zu halten.

