Die weltberühmten astronomischen Observatorien in der Atacama-Wüste in Chile, darunter das Very Large Telescope (VLT) auf dem Cerro Paranal, standen vor einer ernsten Bedrohung. Der Energiehersteller AES Andes plante das gigantische INNA-Projekt, einen Solar- und Windpark, um grünen Wasserstoff und Ammoniak zu produzieren. Dieses Vorhaben, das eine Fläche von der Größe Garchings bei München einnehmen sollte, hätte sich unmittelbar in der Nähe eines der wichtigsten Beobachtungsplätze der Europäischen Südsternwarte (ESO) befunden.
Astronomen äußerten große Besorgnis. Künstliche Beleuchtung, aber auch Vibrationen, Staub und Turbulenzen, die durch das INNA-Projekt entstanden wären, hätten die präzisen Beobachtungen mit den Riesenteleskopen massiv gestört. ESO-Chefastronom Xavier Barcons fragte besorgt: „Was bringt das beste Teleskop, wenn man es nicht benutzen kann?“ Eine detaillierte Analyse der ESO bestätigte die Befürchtungen und prognostizierte eine Erhöhung der Lichtverschmutzung über dem VLT um mindestens 35 Prozent, was die wissenschaftliche Arbeit erheblich beeinträchtigt hätte.
Angesichts dieser drohenden Gefahr formierte sich massiver Widerstand aus der Wissenschaftsgemeinschaft. Zahlreiche Forschende, darunter der Nobelpreisträger und Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik, Reinhard Genzel, appellierten in einem offenen Brief an die chilenische Regierung, den Industriekomplex zu verlegen. Der Protest hatte Erfolg: AES Andes hat nun offiziell bekannt gegeben, „von der Durchführung des INNA-Projekts abzusehen“, was eine Welle der Erleichterung unter den Astronomen ausgelöst hat.
Das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik spricht von einem „Triumph für den Protest der Astronomen“. Die unmittelbare Bedrohung durch Lichtverschmutzung und störende Emissionen sei abgewendet, und „der Nachthimmel ist gesichert.“ Reinhard Genzel zeigte sich hocherfreut über den Erfolg der Bemühungen und dankte der chilenischen Regierung, die „den unermesslichen Wert des Paranal-Nachthimmels angemessen zu würdigen wusste.“ Damit bleibt der Cerro Paranal ein ungestörter Ort für bahnbrechende Entdeckungen im Kosmos.

