Kurz vor dem Osterfest, einer Zeit höchster Nachfrage nach Eiern, erleben Verbraucher in Deutschland eine besorgniserregende Situation: Die Regale in Supermärkten und Discountern sind vielerorts schlecht gefüllt, einzelne Sorten fehlen oder die Auswahl ist stark eingeschränkt. Meldungen von Edeka-Märkten in Berlin über “Lieferschwierigkeiten” und fast leere Regale unterstreichen die angespannte Lage. Auch andere Händler wie Picnic und Rewe bestätigen die Probleme und sprechen von einem “angespannten Eiermarkt” und punktuellen Engpässen. Während Lidl die Warenversorgung grundsätzlich sichergestellt sieht, deuten die Beobachtungen im Handel auf eine herausfordernde Situation hin, die die Osterplanungen vieler Haushalte beeinträchtigen könnte und die Verfügbarkeit von Eiern vorerst einschränkt.
Die Gründe für den aktuellen Eier-Engpass sind vielfältig. Eine zentrale Rolle spielen die jüngsten Ausbrüche der Vogelgrippe und, nach rund 30 Jahren, der hochansteckenden Newcastle-Krankheit. Diese Seuchen haben laut Bundesverband Ei hierzulande bereits etwa vier Prozent der Legehennen gekostet – eine entscheidende Menge angesichts der gestiegenen Nachfrage. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland stieg im vergangenen Jahr auf 252 Eier, ein kontinuierlicher Anstieg seit 2022. Experten sehen Eier als “kostengünstige Quelle für hochwertiges Eiweiß” und Trends wie vegetarische oder Low-Carb-Ernährung als weitere Treiber. Gleichzeitig belasten sinkende Tierbestände und der Rückbau der Kleingruppenhaltung das Angebot zusätzlich.
Die Knappheit der Eier geht einher mit deutlich gestiegenen Preisen. Im Februar waren Eier im Schnitt 14,5 Prozent teurer als im Vorjahresmonat, und auch die Großmarktpreise bewegen sich auf einem sehr hohen Niveau. Dennoch müssen Verbraucher die jüngste Knappheit nicht unmittelbar im Geldbeutel spüren, da der Lebensmitteleinzelhandel feste Jahresverträge mit den Produzenten hat und es keine Veranlassung gibt, die Preise kurz vor Ostern anzupassen. Langfristig könnte sich die Situation jedoch ändern: Im Spätsommer, bei den Verhandlungen über neue Lieferverträge, rechnen Branchenvertreter damit, dass Produzenten angesichts der schwierigen Marktlage höhere Preise einfordern werden. Dies könnte zukünftig zu weiteren Preisanstiegen für die Endverbraucher führen und die Osterbudgets belasten.
Trotz der heimischen Produktion von 15,3 Milliarden Konsumeiern im vergangenen Jahr konnte der Inlandsbedarf lediglich zu 72 Prozent gedeckt werden. Der Selbstversorgungsgrad ist damit bereits das vierte Jahr in Folge gesunken, was Deutschland zunehmend von Importen abhängig macht. Um die hohe Nachfrage zu bedienen, muss mehr als ein Viertel des Bedarfs aus dem Ausland bezogen werden. Die Niederlande sind mit einem Anteil von 69 Prozent das wichtigste Lieferland für Schaleneier, gefolgt von Polen mit knapp 16 Prozent. Diese Abhängigkeit von internationalen Märkten macht die Versorgungslage anfällig für globale Engpässe und erschwert die Stabilisierung der Preise und Verfügbarkeit im Inland, insbesondere in Zeiten erhöhter Nachfrage wie dem Osterfest, wo eine lückenlose Versorgung entscheidend wäre.

