Die Paralympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo rücken näher, und die deutschen Athleten bereiten sich intensiv vor. Hans-Jörg Michels, Präsident des Deutschen Behindertensportverbands (DBS), hat ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben: Deutschland soll bei der Gesamtzahl der Medaillen unter die Top sechs Nationen vorstoßen. Das Team umfasst 40 Athletinnen und Athleten sowie acht Guides und ist in Ski Alpin, Biathlon, Langlauf, Eishockey und Snowboard vertreten. Lediglich im Curling fehlt eine deutsche Beteiligung. Dieser Anspruch ist jedoch nicht ohne Herausforderungen, da die internationale Konkurrenz in den Para-Sportarten massiv investiert und sich deutlich verstärkt hat. Die vier Goldmedaillen von Peking 2022 unterstreichen die Notwendigkeit einer Leistungssteigerung, um den Trend der letzten Spiele umzukehren.
An der Spitze der deutschen Hoffnungen steht Anna-Lena Forster, das Gesicht des Teams und eine der erfolgreichsten Para-Sportlerinnen mit neun Paralympics-Medaillen. Sie wird in Cortina in fünf Monoski-Disziplinen antreten und gilt jedes Mal als Favoritin, obwohl sie die Konkurrenz als “stärker denn je” einschätzt. Ihre unermüdliche Arbeit für Inklusion und Barrierefreiheit macht sie zu einer wichtigen Botschafterin. Ein weiterer Hoffnungsträger ist Marco Maier, dessen Karriere nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Klassifizierung einen beeindruckenden Aufstieg erlebte. Nach Silbermedaillen im Biathlon- und Langlauf-Sprint in Peking und sieben WM-Medaillen konzentriert er sich in Tesero auf die Biathlon-Rennen. Er ist Mitfavorit und strebt offen eine Goldmedaille an, trotz des immensen Drucks, den er verspürt.
Kathrin Marchand ist eine der bemerkenswertesten Geschichten im deutschen Team. Die ehemalige Olympia-Ruderin musste ihre sportliche Karriere nach einem Schlaganfall im Jahr 2021 neu erfinden. Sie wechselte zum Para-Skilanglauf, wo sie eine erstaunlich schnelle Entwicklung zeigt. Ihr vierter Platz bei ihrem Weltcup-Debüt im Februar 2025 war ein klares Signal. Marchand wird in Tesero im Sprint und über zehn Kilometer in der klassischen Technik antreten und wird Sportgeschichte schreiben: Sie ist die erste Athletin weltweit, die an Olympischen Sommerspielen, Paralympischen Sommerspielen und Paralympischen Winterspielen teilnimmt. Auch Anna-Maria Rieder, Bronzemedaillengewinnerin im Slalom in Peking, gehört zu den Medaillenanwärterinnen. Trotz gesundheitlicher Rückschläge und mentaler Herausforderungen zeigte sie im Slalom-Weltcup ihr Potenzial und belegte punktgleich den zweiten Platz.
Abgerundet wird das Quintett der Medaillenhoffnungen durch Johanna Recktenwald. Obwohl erst spät zum Skisport gekommen, hat sie mit ihrer Guide Emily Weiss in der vergangenen Saison einen riesigen Erfolg gefeiert: Weltmeisterin im Biathlon-Einzel und drei Silbermedaillen. Als Gesamtweltcupsiegerin im Biathlon gehört die starke Schützin nun zu den größten Favoritinnen in Tesero. Die Mischung aus erfahrenen Champions und aufstrebenden Talenten lässt die deutschen Fans optimistisch auf die Spiele 2026 blicken. Obwohl die internationale Konkurrenz stetig wächst, sind diese fünf Athletinnen und Athleten bereit, den Trend zu stoppen und Deutschland im Medaillenspiegel wieder nach oben zu führen. Ihre Geschichten von Resilienz, Leidenschaft und unermüdlichem Training versprechen spannende Wettkämpfe.

