Im Interview mit der britischen BBC hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eindringlich gewarnt, dass Wladimir Putin den Dritten Weltkrieg bereits begonnen habe. Selenskyj gab sich kämpferisch und betonte, sein Land sei weit davon entfernt, den Krieg zu verlieren. Er forderte intensiven militärischen und wirtschaftlichen Druck als einzige Antwort auf Russlands aggressive Bestrebungen, der Welt eine andere Lebensweise aufzuzwingen und die frei gewählten Lebensrealitäten anderer Länder zu zerstören. Gebietsabtretungen an Russland lehnte Selenskyj kategorisch ab, da dies einer Schwächung der ukrainischen Positionen gleichkäme und Hunderttausende im Stich ließe sowie die Gesellschaft spalten würde.
Zudem äußerte Selenskyj Zweifel, dass Putin sich mit territorialen Zugeständnissen zufriedengeben würde. Ein Waffenstillstand würde Moskau lediglich Zeit verschaffen, um militärisch neue Kräfte zu sammeln. Selenskyj schätzt, dass Russland sich innerhalb weniger Jahre erholen könnte, und betonte, dass Putins Absicht, weiterzumachen, eine Tatsache sei. Er wies darauf hin, dass unsere europäischen Partner von drei bis fünf Jahren Erholungszeit sprechen, er selbst aber nur von wenigen Jahren ausgehe. Das Interview fand laut BBC in einem streng gesicherten Raum in Kyjiw statt.
Hinsichtlich künftiger Sicherheitsgarantien hofft Selenskyj auf den Einfluss des US-Kongresses und nicht allein auf den Willen des jeweiligen US-Präsidenten. Er betonte, dass Präsidenten kommen und gehen, Institutionen aber bleiben. Für die Ukraine seien Garantien von etwa 30 Jahren vonnöten, die über einzelne Amtszeiten hinausgingen. Die Abstimmung im Kongress sei aus guten Gründen erforderlich, um eine dauerhafte Verlässlichkeit zu gewährleisten, auch im Hinblick auf mögliche zukünftige politische Eliten. Selenskyj ließ offen, ob er selbst bei etwaigen Neuwahlen erneut kandidieren würde, betonte jedoch die Notwendigkeit verlässlicher Sicherheitsgarantien vor einer solchen Abstimmung, um Manipulationen zu verhindern und die Ukraine zu schützen.
Langfristig bleibt das Ziel der Ukraine, das gesamte besetzte Gebiet zurückzuerobern und zu den im Jahr 1991 festgelegten Grenzen zurückzukehren. Selenskyj räumte jedoch ein, dass dies momentan aufgrund der zu mächtigen russischen Armee und des befürchteten Verlusts von Millionen Menschenleben nicht möglich sei. Die Ukraine verfüge derzeit nicht über genügend Waffen für entsprechende Erfolge auf dem Schlachtfeld. Es sei eine Frage der Zeit, bis dieses Ziel erreicht werde, aber nur, wenn die notwendige Unterstützung und Stärke aufgebaut werden können, um die russische Aggression effektiv abzuwehren.
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