Nach wochenlangen Spekulationen ist es nun offiziell: Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident und bekennender Pandaliebhaber, hat den Vertrag unterzeichnet, der zwei Riesenpandas für den Münchner Tierpark Hellabrunn sichert. Spätestens 2028 sollen die schwarz-weißen Bären in eine neu gebaute Anlage einziehen und damit München zum Panda-Standort machen. Söder, der bereits bei seiner Chinareise 2024 öffentlich Plüsch-Pandas küsste und seine Zuneigung bekundete, sieht in der Leihgabe einen Höhepunkt der bayerisch-chinesischen Diplomatie. Er betonte, dass Bayern in China “quasi fast wie ein eigener Staat” behandelt werde, was diese prestigeträchtige Partnerschaft untermauere. Die Ankündigung, auf Instagram als “München wird Panda City!” gefeiert, positioniert Bayern als den achten Panda-Standort in der EU und den zweiten in Deutschland, was europaweit einzigartig ist.
Riesenpandas sind seit Jahrzehnten weit mehr als nur niedliche Besuchermagnete; sie sind ein zentrales Instrument der chinesischen “Panda-Diplomatie”. Die Volksrepublik China verleiht ihre Nationaltiere an ausgewählte Partner, um diplomatische Verbundenheit zu symbolisieren. So erhielt Berlin bereits 2017 mit Meng Meng und Jiao Qing zwei Pandas von Präsident Xi Jinping, und auch Frankreich wurden kürzlich zwei zugesagt. Söders Initiative reiht sich nahtlos in diese Strategie ein und stärkt die ohnehin schon engen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Bayern und China. Es geht um eine symbolische Brücke, die über kulturelle und geografische Grenzen hinweg die Kooperation und den Dialog fördern soll, ganz im Sinne von Söders Devise “Kooperation statt Konfrontation”.
Das Prestigeprojekt hat jedoch seinen Preis, und dieser ist beträchtlich. Die jährliche Leihgebühr für die Pandas beläuft sich auf rund eine Million Euro, zuzüglich Millionensummen für den Gehegebau und den hohen Unterhalt der Tiere, die täglich etwa 18 Kilogramm Bambus verzehren. Auch mögliche Nachkommen bleiben Eigentum Chinas und kehren nach einigen Jahren in ihre Heimat zurück. Tierschutzorganisationen wie Pro Wildlife kritisieren den Deal scharf. Sie argumentieren, die Haltung und Zucht von Pandas in westlichen Zoos sei kein Beitrag zum Artenschutz, sondern ein “finanzielles und politisches Geschäft auf dem Rücken der Tiere”. Sie weisen darauf hin, dass die Fortpflanzung oft durch künstliche Befruchtung mit “erheblichem Tierleid” verbunden sei und die Vergabe politisch-wirtschaftlichen Kriterien folge, nicht dem Tierschutz.
Markus Söder sieht in der Panda-Diplomatie eine pragmatische Antwort auf die Herausforderungen der Weltpolitik. Während die Bundesregierung noch um ihren Kurs im Umgang mit China ringt – angesichts von Menschenrechtsverletzungen, Bedrohung Taiwans und Partnerschaft mit Russland versus wirtschaftliche Abhängigkeiten –, setzt Söder auf den Dialog. Er inszeniert sich einmal mehr als Außenpolitiker, der für Bayern eine Sonderrolle beansprucht und durch solche symbolträchtigen Gesten die Partnerschaft mit einem wichtigen globalen Akteur festigt. Dies steht im Gegensatz zum Ansatz von Bundeskanzler Olaf Scholz, der bei seiner ersten großen Asienreise zunächst eine Demokratie (Indien) besuchte, bevor er China aufsuchte. Für Söder ist der Dialog mit China in einer von Unsicherheiten geprägten Welt offenbar ein gangbarer und notwendiger Weg.

