Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich drei Wochen nach einer kontroversen Christmette in der katholischen Kirche Sankt Maria in Stuttgart kritisch von den dort gezeigten Darstellungen distanziert. Im Zentrum der Empörung stand eine Installation der Künstlerin Milena Lorek, die einen erwachsenen Mann, gehüllt in nasses Reispapier, auf einem Strohhaufen zeigte. Diese Darstellung, von der »Bild«-Zeitung als »Schleim-Jesus« betitelt, löste massive Kritik und den Vorwurf der Verletzung religiöser Gefühle aus. Ursprünglich als radikale Interpretation der Menschwerdung Gottes verteidigt, ist die Diözese nun bemüht, den entstandenen Schaden zu begrenzen und interne Abläufe zu überprüfen.
Die Christmette, die am Ersten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen wurde, führte zu einer Welle der Entrüstung. Rundfunkpfarrer Thomas Steiger vom SWR hatte die Installation noch als »nah, berührbar, ohne Distanz, echt« beschrieben und die Radikalität der menschlichen Inkarnation Gottes betont. Doch die Reaktionen fielen harsch aus: Von 1400 Beschwerdemails beim SWR ist die Rede, und bekannte Lokalpolitiker sowie ehemalige Bundestagsabgeordnete äußerten ihr Missfallen. Der Stuttgarter CDU-Lokalpolitiker Klaus Nöpper bezeichnete die Szene als »eklig«, während Maximilian Mörseburg (CDU) eine »Absurdität« und den Verlust der »Würde« der Religion beklagte. Die Empörung breitete sich auch in rechtspopulistischen Medien aus, was den Druck auf die Diözese zusätzlich erhöhte.
In ihrer Erklärung auf der eigenen Website betonte die Diözese, dass »zu keinem Zeitpunkt eine Provokation oder eine Herabwürdigung zentraler Glaubensinhalte« beabsichtigt gewesen sei. Man räumte jedoch ein, dass die gewählte Form der Darstellung bei vielen Menschen »Irritation, Unverständnis und Ärger« ausgelöst habe, insbesondere »an einem Hochfest wie Weihnachten«. Dieser Vorfall unterstreicht die sensible Gratwanderung zwischen künstlerischer Freiheit in religiösen Kontexten und der Wahrung traditioneller Glaubensgefühle. Die Diözese steht nun vor der Herausforderung, das Vertrauen der Gläubigen zurückzugewinnen und gleichzeitig eine progressive Auseinandersetzung mit Glaubensinhalten zu ermöglichen.
Neben der inhaltlichen Kritik gab die Diözese auch »Abweichungen von der liturgischen Ordnung« zu. Die Liturgie sei für das Fernsehformat freier gestaltet worden, als es zulässig sei, was nun »aufgearbeitet« werden müsse. Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse sollen »verbindlich geschärft« werden, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. Auch der SWR äußerte Bedauern: Man bedauere sehr, dass die Christmette auf Missfallen gestoßen sei und sich Menschen dadurch in ihrem Glauben verletzt gefühlt hätten. Dieser Vorfall wird voraussichtlich noch länger Nachhall finden und wichtige Debatten über Kunst, Glaube und Medien in der Kirche anstoßen.

