Zum Höhepunkt des Straßenkarnevals rollen die Rosenmontagszüge durch deutsche Städte, und in Düsseldorf steht ein Motivwagen besonders im Fokus: Der Putin-Wagen des renommierten Karnevalswagenbauers Jacques Tilly. Mit Spannung erwartet, symbolisiert dieser Wagen Tillys unerschrockene Haltung gegenüber politischer Satire. Er zeigt Wladimir Putin, wie er eine Narrenpritsche auf den Schädel bekommt – ein deutliches Zeichen der Kritik und des Spotts, das weltweit Beachtung findet. Diese Kreation ist nicht nur ein Höhepunkt des rheinischen Karnevals, sondern auch ein Ausdruck künstlerischer Freiheit, der in diesem Jahr eine besondere Relevanz erhält. Der Wagen verkörpert die Tradition des Karnevals, Mächtigen den Spiegel vorzuhalten und gesellschaftliche Missstände humoristisch anzuprangern.
Die Schaffung dieses Wagens erfolgt vor dem ernsten Hintergrund eines gerichtlichen Verfahrens in Moskau. Tilly wird seit Monaten in Russland gerichtlich verfolgt, weil ihm die Verunglimpfung russischer Staatsorgane, einschließlich Präsident Wladimir Putin und der russischen Armee, vorgeworfen wird. Die drohende Strafe reicht von einer Geldstrafe bis zu einem Freiheitsentzug von bis zu zehn Jahren. Doch der Künstler bleibt unbeeindruckt von den Drohungen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) solidarisierte sich öffentlich mit Tilly und kritisierte das Strafverfahren scharf, was die politische Dimension dieses künstlerischen Protests unterstreicht und die Debatte über Meinungsfreiheit und internationale Beziehungen anheizt.
Im Gegensatz zu Düsseldorf verzichten die Organisatoren in den Karnevalshochburgen Mainz und Köln offenbar auf Putin-kritische Wagen in diesem Jahr. Das Festkomitee Kölner Karneval bestreitet, dass dies aus Angst vor Repressalien geschehe, verweist aber auf frühere Solidaritätsbekundungen mit Tilly. In Mainz wird die Entscheidung damit begründet, eine “gewisse Redundanz zu vermeiden”, da Putin und der Krieg in der Ukraine in den Vorjahren bereits thematisiert worden seien. Stattdessen sollen in Mainz Bundeskanzler Friedrich Merz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und US-Präsident Donald Trump ihr Fett wegbekommen, was die unterschiedlichen Ansätze innerhalb der Karnevalstradition verdeutlicht.
Tilly selbst erklärte gegenüber dem WDR, dass er als Reaktion auf den Prozess keine “besonders extremen” Wagen machen wolle. Er betonte, es sei “albern”, jetzt noch härter zu sein, und man mache einfach “gute politische Satire, so wie immer”. Für ihn sei der Rosenmontag “ein normaler, wenn auch sehr harter Arbeitstag”. Die Situation nach Aschermittwoch ist für ihn jedoch eine andere: “Nur dank dieses Prozesses ist nach Aschermittwoch diesmal nicht alles vorbei. Es geht natürlich weiter, leider”, womit er auf die fortgesetzte juristische Auseinandersetzung anspielt und die nachhaltige Wirkung seines künstlerischen Engagements hervorhebt, die über das Ende der närrischen Zeit hinausreicht.

