Dutzende Seniorinnen und Senioren mussten am Mittwoch in Laatzen bei Hannover Hals über Kopf ihre Zimmer in einem Pflegeheim räumen. Innerhalb von nur 24 Stunden, nachdem Angehörige am Vortag informiert wurden, mussten fast 60 pflegebedürftige Menschen eine neue Unterkunft finden. Die eilige Räumung des Heims, das von Ambiente Care betrieben wird, sorgte für große Aufregung und forderte eine logistische Meisterleistung von Familien und Behörden gleichermaßen.
Eine Betroffene bezeichnete die Umstände im NDR als »menschenunwürdig«, da sie für ihre 95-jährige Mutter unter extremem Zeitdruck eine neue Bleibe suchen musste. Die fehlende offizielle Mitteilung der Hausleitung trug zusätzlich zur Verunsicherung bei. Diese abrupten Auszüge stellen für die oft hochbetagten und pflegebedürftigen Bewohner sowie deren Angehörige eine enorme Belastung dar, die weit über das übliche Maß hinausgeht und tiefe emotionale Spuren hinterlässt.
Der Auszug erfolgte nach Berichten der »Hannoverschen Allgemeinen« und des NDR, weil der Betreiber Ambiente Care offenbar insolvent sei und Mitarbeitern Monatsgehälter schulde. Die Heimaufsicht Hannover soll die weitere Nutzung der Einrichtung untersagt haben. Ambiente Care dementierte am Donnerstag jedoch ausdrücklich Gerüchte über eine Insolvenz und betonte, die Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiter seien nicht gekündigt worden, was einen deutlichen Widerspruch zur öffentlichen Darstellung darstellt.
Die Heimaufsicht als zuständige Behörde hat die Schließung der Einrichtung veranlasst und die Verlegung der Bewohner teils selbst organisiert, teils wurde dies privat gemanagt. Bis halb zehn Uhr abends am Mittwoch konnten alle 59 Bewohner in andere Versorgungsstrukturen untergebracht werden. Ambiente Care äußerte sich, man habe die Möglichkeit, alle Optionen zur Vermeidung von Verlegungen auszuschöpfen, verwehrt bekommen, wodurch die eigenen Handlungsspielräume begrenzt gewesen seien. Zu weiteren Details wollte sich das Unternehmen derzeit nicht äußern.

