US-Vizepräsident JD Vance ist wenige Tage vor der wichtigen Parlamentswahl in Ungarn in Budapest eingetroffen, um Ministerpräsident Viktor Orbán zu treffen. Seine Anwesenheit wird weithin als kaum verschleierte Wahlkampfhilfe für den unter Druck stehenden Orbán interpretiert, der laut jüngsten Umfragen hinter dem Oppositionspolitiker Péter Magyar und dessen Tisza-Partei zurückliegt. Vance und seine Frau Usha sind in Budapest gelandet, um die Beziehungen zwischen den USA und Ungarn zu vertiefen. Das Timing der Reise, kurz vor dem entscheidenden Wahlsonntag, unterstreicht die politische Dimension dieses hochrangigen Besuchs.
Während seines Aufenthalts sprach Vance von einer “moralischen” Partnerschaft zwischen den USA und Ungarn und lobte Orbáns Regierungszeit ausdrücklich. Er behauptete, andere europäische Führer hätten dem Beispiel Orbáns folgen sollen, um die aktuelle Krise des Kontinents zu vermeiden. Auffallend war Vances Kritik an “Brüssels Bürokraten”, die er für die Einmischung in Ungarns Politik und die Zerstörung seiner Wirtschaft verantwortlich machte – eine bemerkenswerte Aussage angesichts seiner eigenen Präsenz im Land kurz vor einer Wahl. Orbán selbst sprach nach Vances Landung von einem “Goldenen Zeitalter” in den US-ungarischen Beziehungen, was die einhellige Botschaft der engen Verbundenheit unterstreicht.
Viktor Orbán, seit 16 Jahren ununterbrochen Ministerpräsident, hat Ungarn zunehmend von der Europäischen Union entfremdet. Kritiker werfen ihm vor, demokratische Grundprinzipien auszuhöhlen und Freiheiten zu beschränken. Seine russlandfreundliche Haltung und seine Abweichung vom EU-Kurs in der Ukraine-Unterstützung sowie im Umgang mit Flüchtenden finden in Washington unter einer potenziellen Trump-Regierung offenbar Wohlwollen. Die Trump-Administration hat ähnliche Tendenzen gezeigt, Minderheitenrechte einzuschränken und das Interesse am Ukrainekrieg zu verlieren. Bereits im Februar leistete US-Außenminister Marco Rubio Wahlkampfhilfe für Orbán, indem er seine Unterstützung im Namen von Präsident Trump zusagte.
Die bevorstehende Parlamentswahl am Sonntag ist für Orbán und seine Fidesz-Partei von entscheidender Bedeutung. Aktuelle Umfragen zeigen, dass Fidesz deutlich hinter der Tisza-Partei von Péter Magyar liegt, was eine unerwartet knappe oder gar verlorene Wahl für den langjährigen Regierungschef bedeuten könnte. Der Besuch von JD Vance, der als möglicher Vizepräsident unter Donald Trump gehandelt wird, sendet ein klares Signal der Unterstützung an Orbán und seine politischen Ansichten, möglicherweise in der Hoffnung, die Waagschale zugunsten des amtierenden Ministerpräsidenten zu beeinflussen und die “moralische” Partnerschaft zu festigen.
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