Die Armut in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Das zeigt ein aktueller Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, der sich auf Daten des Statistischen Bundesamts stützt.
Demnach liegt die Armutsquote im Jahr 2025 bei 16,1 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 0,6 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt gelten damit rund 13,3 Millionen Menschen in Deutschland als armutsgefährdet.
Als armutsgefährdet gelten Personen, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben. Für eine alleinlebende Person liegt diese Grenze bei etwa 1.446 Euro netto im Monat. Für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren liegt sie bei rund 3.036 Euro.
Der Wohlfahrtsverband spricht von einem „traurigen Rekord“. Noch nie zuvor sei in Deutschland eine so hohe Zahl von Menschen von Armut betroffen gewesen. Nach mehreren Jahren mit sinkenden Quoten habe sich der Trend nun umgekehrt.
Besonders deutlich sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern. In wirtschaftsstarken Regionen wie Bayern und Baden-Württemberg sind die Quoten mit rund 12 bis 13 Prozent vergleichsweise niedrig.
Deutlich höher ist die Armutsquote in anderen Teilen des Landes. Besonders betroffen sind Bremen, Sachsen-Anhalt sowie die Stadtstaaten Berlin und Hamburg. In einigen Regionen liegt der Anteil deutlich über 20 Prozent.
Auch innerhalb der Regionen zeigen sich klare Unterschiede. In bestimmten Landkreisen und Städten ist die Armut besonders stark ausgeprägt, vor allem dort, wo wirtschaftliche Strukturen schwächer sind oder weniger Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.
Der Bericht warnt vor einer zunehmenden Belastung im Alter. Fast jede fünfte Person über 65 Jahre ist demnach von Armut betroffen oder gilt als armutsgefährdet. Der Lebensabend werde für viele Menschen zu einer finanziellen Herausforderung.
Neben älteren Menschen sind auch andere Gruppen besonders betroffen. Dazu gehören Alleinlebende, Alleinerziehende sowie Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss. In diesen Gruppen liegt die Armutsquote teilweise bei rund 30 Prozent.
Die Autoren des Berichts sehen einen klaren Zusammenhang zwischen Armut und strukturellen Nachteilen. Besonders Menschen mit geringer Bildung oder eingeschränktem Zugang zum Arbeitsmarkt seien betroffen.
Ein großer Teil der Betroffenen ist nicht erwerbstätig. Vier von fünf Menschen, die als arm gelten, haben keine Arbeit. Das verstärkt das Risiko, langfristig in Armut zu bleiben.
Auch die Staatsangehörigkeit spielt eine Rolle in der Statistik. Rund 70 Prozent der Betroffenen haben die deutsche Staatsbürgerschaft, während etwa 30 Prozent keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen.
Der Bericht zeigt zudem, dass viele Haushalte in Deutschland finanzielle Schwierigkeiten haben. Bei rund 6,9 Prozent der Bevölkerung reichte das Einkommen im vergangenen Jahr nicht aus, um grundlegende Lebenshaltungskosten zu decken.
Häufig konnten steigende Kosten für Energie oder wichtige Anschaffungen wie Kühlschränke oder Herde nicht bezahlt werden. Das zeigt, dass finanzielle Belastungen auch Haushalte betreffen, die knapp über der Armutsgrenze liegen.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert angesichts der Entwicklung stärkere politische Maßnahmen gegen Armut. Ziel müsse es sein, soziale Ungleichheit zu verringern und den Zugang zu Arbeit und Einkommen zu verbessern.

