Die britische Fluggesellschaft EasyJet steht vor einem möglichen Eigentümerwechsel. Das Unternehmen hat sich einem Übernahmeangebot des US-Investors Castlelake im Grundsatz angeschlossen. Damit rückt ein milliardenschwerer Deal in der Luftfahrtbranche deutlich näher.
Nach Angaben aus London hat Castlelake zuletzt sein Angebot auf 6,90 britische Pfund pro Aktie erhöht. Damit würde EasyJet mit rund 5,2 Milliarden Pfund bewertet werden. Das entspricht etwa 6,1 Milliarden Euro. Der neue Preis liegt rund 73 Prozent über dem Kurs, der vor Bekanntwerden des Interesses im Mai verzeichnet wurde.
EasyJet hatte frühere Angebote des US-Investors zunächst abgelehnt. Erst nach mehreren Nachbesserungen zeigte sich der Verwaltungsrat nun bereit, das Angebot grundsätzlich zu akzeptieren. Die Unternehmensführung erklärte, sie sei geneigt, den Aktionären eine Annahme zu empfehlen.
Castlelake hat nun bis zum 3. August Zeit, ein verbindliches Übernahmeangebot vorzulegen. Erst dann wird endgültig entschieden, ob der Deal abgeschlossen wird.
Die geplante EasyJet Übernahme Castlelake ist jedoch komplex strukturiert. Aufgrund von EU-Vorgaben dürfen europäische Fluggesellschaften mehrheitlich nur in EU-Besitz sein. Deshalb soll Castlelake lediglich 49 Prozent der Anteile übernehmen. Die Kontrolle über die restlichen Anteile würden EU-Bürger behalten.
Als Teil der geplanten Struktur sind zwei europäische Luftfahrtmanager vorgesehen. Der frühere EasyJet-Manager Peter Bellew sowie der Branchenexperte Mark Breen sollen zusammen die verbleibenden Anteile halten und die EU-Konformität sicherstellen. Beide gelten als erfahrene Akteure in der Luftfahrtbranche.
EasyJet zählt seit Jahren zu den attraktivsten Übernahmezielen im europäischen Luftverkehr. Das Unternehmen verfügt über eine moderne Airbus-A320-Flotte und wichtige Start- und Landerechte an großen Flughäfen wie London, Paris, Mailand und Genf. Diese sogenannten Slots sind im Flugverkehr besonders wertvoll, da sie den Zugang zu stark ausgelasteten Flughäfen sichern.
Gerade diese knappen Start- und Landerechte machen die Airline für Investoren interessant. Sie gelten als schwer zu ersetzen und bieten langfristige Wettbewerbsvorteile. Neben der Flotte und den Slots spielt auch das etablierte Streckennetz eine wichtige Rolle für den Unternehmenswert.
Der größte Einzelaktionär von EasyJet ist die Familie des Gründers Stelios Haji-Ioannou mit einem Anteil von 15,3 Prozent. Ihre Position könnte bei einer endgültigen Entscheidung über den Verkauf eine wichtige Rolle spielen, da große Anteilseigner oft Einfluss auf die Abstimmung haben.
Castlelake selbst ist ein bedeutender Investor im Luftfahrtsektor. Das Unternehmen verwaltet nach eigenen Angaben Vermögenswerte von rund 38 Milliarden US-Dollar. In der Branche ist der Investor bereits für Beteiligungen an Flugzeugen und Leasingstrukturen bekannt.
Die gesamte Luftfahrtbranche steht derzeit unter Druck. Hohe Treibstoffkosten und wirtschaftliche Unsicherheiten belasten die Gewinnmargen vieler Airlines. Auch geopolitische Spannungen, darunter Konflikte in verschiedenen Regionen, wirken sich indirekt auf Energiepreise und Nachfrage aus.
Vor diesem Hintergrund gilt die mögliche EasyJet Übernahme Castlelake als strategisch bedeutsam. Ein Einstieg eines finanzstarken Investors könnte der Airline zusätzliche Stabilität verschaffen und neue Investitionen ermöglichen.
Ob der Deal tatsächlich abgeschlossen wird, hängt nun von der endgültigen Offerte und der Zustimmung der Aktionäre ab. Bis Anfang August bleibt die Zukunft von EasyJet offen und stark im Fokus der internationalen Luftfahrt- und Finanzmärkte.

