Nach dem Bundesparteitag der AfD in Erfurt haben die Organisatoren der Proteste eine überwiegend positive Bilanz gezogen. Obwohl der Parteitag wie geplant stattfinden konnte, sehen die Initiatoren ihre Aktionen als wichtigen Beitrag gegen die Partei. Gleichzeitig sprach auch die Thüringer Polizei von einem insgesamt ruhigen Einsatz und bewertete das Wochenende trotz des hohen Aufwands als erfolgreich.
Das linke Bündnis „Widersetzen“ erklärte, das ursprüngliche Ziel, den Bundesparteitag vollständig zu verhindern, sei nicht erreicht worden. Dennoch hätten die zahlreichen Blockaden und Protestaktionen Wirkung gezeigt. Nach Angaben des Bündnisses sei jeder Fall, in dem Delegierte oder Parteimitglieder ihre Anreise nur erschwert antreten konnten, als Erfolg zu bewerten.
Ein Sprecher des Bündnisses erklärte, dass die Aktionen den politischen Widerstand gegen die AfD sichtbar gemacht hätten. Eine weitere Sprecherin verteidigte die Blockaden als Form des zivilen Ungehorsams. Gleichzeitig kündigte sie an, dass das Bündnis die Erfahrungen der vergangenen Tage auswerten und seine Strategie für künftige Proteste überprüfen werde.
Die Proteste rund um den Parteitag zogen nach Angaben der Veranstalter rund 50.000 Menschen an. Die Thüringer Polizei nannte in ihrer ersten Bilanz niedrigere Zahlen. Demnach beteiligten sich bis zu 31.000 Menschen an den verschiedenen angemeldeten Demonstrationen. Zusätzlich seien rund 10.000 Personen an Blockadeaktionen beteiligt gewesen.
Nach Angaben des Bündnisses nahmen etwa 17.000 Menschen direkt an den Blockaden teil. Die unterschiedlichen Zahlen beruhen auf verschiedenen Erfassungsmethoden der Veranstalter und der Polizei.
Trotz der umfangreichen Proteste konnte der AfD-Bundesparteitag ohne größere Verzögerungen beginnen. Viele Delegierte waren bereits in der Nacht vor Veranstaltungsbeginn auf das Gelände der Messe Erfurt gebracht worden. Dadurch konnten geplante Blockaden den Start des Parteitags nicht verhindern. Die Parteiversammlung begann am Samstag wie vorgesehen und wurde am Sonntag abgeschlossen.
Für die Sicherheitsbehörden bedeutete das Wochenende einen der größten Polizeieinsätze der vergangenen Jahre in Thüringen. Mehrere Tausend Polizeibeamte aus Thüringen, anderen Bundesländern und der Bundespolizei waren im Einsatz. Ihre Aufgabe bestand darin, sowohl den Parteitag als auch die zahlreichen Demonstrationen und Blockadeaktionen abzusichern.
Nach Angaben der Polizei fanden am gesamten Wochenende mehr als 30 angemeldete Versammlungen statt. Die Einsatzkräfte sorgten dafür, dass Demonstrationen, Gegenproteste und der Parteitag weitgehend voneinander getrennt blieben. Größere gewaltsame Auseinandersetzungen wurden nach der ersten Bilanz nicht bekannt.
Die Behörden bewerteten den Einsatz insgesamt positiv. Trotz der hohen Zahl an Teilnehmern und der angespannten politischen Lage blieb die Situation nach Angaben der Polizei überwiegend friedlich. Die umfangreiche Vorbereitung und die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte hätten dazu beigetragen, größere Zwischenfälle zu verhindern.
Der AfD-Bundesparteitag stand bundesweit im Fokus. Neben den Beratungen der Partei sorgten auch die zahlreichen Gegenproteste für große öffentliche Aufmerksamkeit. Während die AfD ihre Geschlossenheit vor den kommenden Landtagswahlen betonte, nutzten viele Demonstrierende das Wochenende, um ihren politischen Protest öffentlich zu zeigen.
Mit dem Ende des Parteitags richten sich die Blicke nun auf die politische Aufarbeitung der Ereignisse. Sowohl die Organisatoren der Proteste als auch die Sicherheitsbehörden wollen die Erfahrungen aus Erfurt auswerten. Gleichzeitig dürfte die Debatte über den Umgang mit großen politischen Versammlungen und Protestaktionen auch in den kommenden Monaten weitergeführt werden.

