Entlang der umstrittenen Durand-Linie an der Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan sind schwere Gefechte zwischen den Truppen beider Länder ausgebrochen. Der Sprecher der in Kabul herrschenden Taliban, Sabihullah Mudschahed, erklärte auf X, dass „groß angelegte Offensiven“ als Reaktion auf wiederholte Provokationen des pakistanischen Militärs eingeleitet worden seien. Pakistanische Sicherheitskreise bestätigten die Auseinandersetzungen, die in der Nacht zum Freitag über zwei Stunden andauerten. Beide Seiten beanspruchten, gegnerische Stellungen zerstört oder eingenommen zu haben, was die Intensität der Konfrontation unterstreicht.
Die Angaben zu den Opferzahlen variieren stark und spiegeln die Propaganda beider Konfliktparteien wider. Mudschahed behauptete, in der Provinz Kunar seien etwa 40 pakistanische Soldaten getötet worden. Demgegenüber sprachen pakistanische Sicherheitskreise laut Reuters von 22 getöteten Taliban-Kämpfern und mehreren abgeschossenen Drohnen. Der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar meldete lediglich zwei getötete eigene Soldaten und drei Verletzte, was die Diskrepanz in den Berichten weiter verschärft. Die wahren Verluste bleiben schwer zu verifizieren.
Die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern sind seit Langem extrem angespannt. Erst vor wenigen Tagen hatte Pakistan als Vergeltung für eine Reihe von Selbstmordanschlägen Ziele von Extremisten in Afghanistan angegriffen. Die Taliban hatten daraufhin Anfang der Woche mit einer „angemessenen und abgestimmten Antwort“ auf die pakistanischen Luftangriffe gedroht. Diese jüngsten Gefechte an der Grenze scheinen eine direkte Eskalation jener Drohungen zu sein, was die ohnehin fragile regionale Stabilität weiter untergräbt.
Islamabad wirft den Taliban vor, Extremisten der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) zu beherbergen, eine Anschuldigung, die von der Taliban-Führung in Kabul vehement zurückgewiesen wird. Mudschahed warnte Pakistan eindringlich, dass Afghanistan „deren Schlüsselzentren und wichtige Städte ins Visier nehmen“ werde, sollte Kabul oder andere Großstädte angegriffen werden. Obwohl die Taliban nach eigenen Angaben keine Ausweitung der Kämpfe anstreben, drohen sie mit einem entschlossenen Gegenschlag. Pakistan hat unterdessen die landesweiten Sicherheitsvorkehrungen verstärkt und seine Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt, was die ernste Lage unterstreicht und die Gefahr einer weiteren Eskalation birgt.
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