Die USA und Iran haben bei ihren jüngsten Atomgesprächen in Genf ungeachtet massiver militärischer Drohgebärden eine erste diplomatische Annäherung erzielt. Beide Seiten verständigten sich offenbar auf grundlegende »Leitprinzipien« für das weitere Vorgehen in der Auseinandersetzung um das iranische Atomprogramm. Dies teilten der iranische Außenminister Abbas Araghchi und sein als Vermittler fungierender omanischer Kollege Badr Albusaidi nach Abschluss der zweiten Verhandlungsrunde mit. Araghchi erklärte iranischen Medien zufolge, dass zwar keine endgültige Einigung unmittelbar bevorstehe, der Weg dorthin jedoch nun eingeschlagen sei und sich ein »neues Zeitfenster« geöffnet habe. Man werde jetzt detaillierte Lösungsvorschläge austauschen und einen Termin für eine dritte Runde festlegen. Albusaidi bestätigte »gute Fortschritte« und die Einigung auf klare nächste Schritte.
Die Nachrichten über diese diplomatische Annäherung sorgten umgehend für Erleichterung an den Finanzmärkten. Die Ölpreise gaben um mehr als ein Prozent nach, da die zuvor herrschende Sorge vor einer unmittelbaren Unterbrechung der globalen Lieferketten deutlich abnahm. Dies war eine direkte Reaktion auf die Entspannung, nachdem zum Auftakt der Gespräche zunächst eine weitere Eskalation am Golf gedroht hatte: Die iranischen Revolutionswächter hatten Manöver in der Straße von Hormus abgehalten und Teile der für den Welthandel vitalen Meerenge vorübergehend gesperrt, begleitet von einer massiven US-Militärpräsenz in der Region.
Die Gespräche fanden vor dem Hintergrund erheblicher politischer Spannungen statt. US-Präsident Donald Trump hatte den Druck im Vorfeld erhöht und erklärt, ein »Regimewechsel« in Teheran sei womöglich das Beste, was passieren könne – eine Äußerung, die vom geistlichen Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Khamenei, scharf zurückgewiesen wurde. Khamenei bekräftigte zudem, dass das iranische Raketenprogramm nicht verhandelbar sei, während Washington auf dessen Einbeziehung drängt. Teheran ist lediglich bereit, über Einschränkungen seines Atomprogramms im Gegenzug für eine Aufhebung der Wirtschaftssanktionen zu sprechen. Die Verhandlungen waren im Juni vergangenen Jahres abgebrochen worden, als Israel und die USA iranische Atomanlagen bombardierten. Auf US-Seite nahmen die Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner an den indirekten Gesprächen teil.
Auch innenpolitisch steht die iranische Führung unter massivem Druck. Bestehende Sanktionen gegen Iran haben zu einer verschärften Wirtschaftskrise geführt, in deren Folge es im Dezember zu weitreichenden Protesten gegen die Führung kam. Diese Unruhen wurden Anfang des Jahres von den Sicherheitskräften gewaltsam niedergeschlagen, wobei Berichten zufolge bis zu 30.000 Tote zu beklagen waren. Der Westen wirft Iran weiterhin vor, nach Atomwaffen zu streben, was Teheran vehement bestreitet. Jedoch hat Iran Uran weit über den für die zivile Nutzung notwendigen Grad angereichert, was die Bedenken international verstärkt.
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