Die Deutschen zeigen eine wachsende Präferenz für Bioprodukte, doch der heimische Anbau kann mit dieser Dynamik nicht Schritt halten. Laut dem Spitzenverband der Biobranche, BÖLW, stieg der Umsatz mit Biolebensmitteln in Deutschland im Jahr 2025 um beachtliche 6,7 Prozent. Im Gegensatz dazu wuchs die Anbaufläche für Bioprodukte im gleichen Zeitraum lediglich um 1,1 Prozent. Diese Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage verdeutlicht eine zunehmende Lücke, die der deutsche Markt derzeit nicht aus eigener Kraft schließen kann.
Aktuell beträgt der Bioanteil an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland 11,7 Prozent, was bedeutet, dass jeder siebte Hof ökologisch wirtschaftet. Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland hierbei hinterher; Länder wie Österreich, Estland, Griechenland und Portugal verzeichnen bereits Anteile jenseits der 20 Prozent. Trotz des stetigen Wachstums macht der Anteil an Biolebensmitteln am gesamten Lebensmittelumsatz in Deutschland bisher nur 6,6 Prozent aus. Bemerkenswert ist jedoch, dass junge Konsumenten, insbesondere 90 Prozent der Gen Z-Käufer, verstärkt zu Bioprodukten greifen, ungeachtet der oft höheren Preise.
Angesichts dieser Entwicklung fordert die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) die Landwirte eindringlich zur Umstellung auf Bioerzeugung auf. Sie betont die derzeit außerordentlich guten Chancen für umstellungswillige Betriebe. Bayern hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, den Anteil des Bioanbaus bis 2030 auf 30 Prozent der Gesamtfläche auszubauen; aktuell liegt dieser Wert bei 14 Prozent. Obwohl Bayern mit über 32.000 Quadratkilometern führend bei der landwirtschaftlich genutzten Fläche ist, spiegelt die bayerische Landwirtschaft die hohe Nachfrage nach Bioware noch nicht ausreichend wider. Ein Wechselspiel aus Betrieben, die aus der Förderung des Ökolandbaus aussteigen (etwa 300), und neuen Akteuren (266) zeigt die Komplexität der Umstellung.
Auch die BÖLW-Vorstandsvorsitzende Tina Andres äußert sich besorgt: „Wir sehen, dass die Umstellerzahlen hinter den Erwartungen zurückbleiben.“ Obwohl die Bioanbaufläche in Deutschland täglich um umgerechnet 80 Fußballfelder wächst, sei dies “zu wenig”, so Andres. Sie warnt davor, “den Markt ohne Not anderen Ländern, anderen Akteuren” zu überlassen. Diese Kritik wird von den Grünen im Europaparlament verstärkt. Martin Häusling bezeichnet den Rückgang der Umstellung auf ökologischen Landbau in Deutschland, trotz wachsender Bio-Nachfrage in Europa, als “absurd und Ausdruck politischer Kurzsichtigkeit”. Die Branche und Politik sind sich einig: Es besteht dringender Handlungsbedarf, um die heimische Bio-Produktion an die Konsumentenwünsche anzupassen.

