Die US-Regierung unter Donald Trump hat Indien eine kurzfristige Ausnahmegenehmigung erteilt, um russisches Rohöl zu kaufen. Angesichts der angespannten globalen Ölversorgungslage infolge des Irankriegs dürfen indische Raffinerien für 30 Tage bereits verschiffte Ladungen russischen Öls erwerben. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, diese Maßnahme diene dazu, den Ölfluss auf dem Weltmarkt aufrechtzuerhalten und sei eine Reaktion auf die gestiegene Nachfrage und die Notwendigkeit, Energieengpässe zu vermeiden. Die Entscheidung unterstreicht die Flexibilität der US-Politik angesichts geopolitischer Spannungen und globaler Wirtschaftsanforderungen.
Die Ausnahmegenehmigung ist bewusst kurzfristig angelegt und beschränkt sich auf Transaktionen für bereits auf See befindliche Ladungen. Washington betont, dass dadurch der russischen Regierung keine nennenswerten finanziellen Vorteile entstünden, da die Lieferungen bereits veranlasst waren. Langfristig erwartet die US-Regierung, dass Indien seine Ölimporte aus den Vereinigten Staaten erhöhen wird. Insidern zufolge hatte die Regierung in Neu-Delhi die Trump-Administration explizit um diese Zustimmung gebeten, um die Versorgungssicherheit des Landes während des Irankonflikts zu gewährleisten.
Indische Staatsunternehmen wie Indian Oil, Bharat Petroleum, Hindustan Petroleum und Mangalore Refinery sind bereits aktiv auf dem Markt und verhandeln mit Händlern über sofortige Lieferungen. Schätzungen gehen von etwa 20 Millionen Barrel russischem Öl aus, das bereits von den Staatskonzernen erworben wurde. Auch der Privatkonzern Reliance Industries hat Interesse an kurzfristigen Lieferungen signalisiert. Diese erhöhte Nachfrage hat die Preise für die russische Sorte Urals angetrieben, die nun mit einem Aufschlag von vier bis fünf Dollar pro Barrel gegenüber der Nordsee-Sorte Brent gehandelt wird – ein signifikanter Unterschied zum Abschlag von 13 Dollar im Februar. Dies signalisiert die Rückkehr indischer Raffinerien als Großabnehmer.
Indien ist stark von Energieimporten abhängig, wobei die heimischen Rohölvorräte lediglich für etwa 25 Tage der Nachfrage ausreichen. Rund 40 Prozent der Ölimporte des Landes stammen aus dem Nahen Osten und passieren die strategisch wichtige Straße von Hormus. Nach dem Ukraine-Krieg im Jahr 2022 war Indien zeitweise zum größten Käufer von russischem Seeöl aufgestiegen, hatte aber im Januar auf US-Druck die Käufe reduziert, um US-Strafzölle zu vermeiden. Es bleibt abzuwarten, ob die USA Indien dauerhaft erlauben werden, russische Käufe zu erhöhen, um mögliche Ausfälle aus dem Nahen Osten auszugleichen. Weder das Weiße Haus noch indische Ministerien haben sich hierzu abschließend geäußert. Der Ölpreis reagierte zuletzt mit einem leichten Rückgang, wobei Brent und WTI nach dem rasanten Anstieg Entspannung zeigten.

