Vertreter indigener Völker in Brasilien feiern einen entscheidenden Sieg: Die Regierung von Präsident Lula da Silva hat das umstrittene »Dekret 12.600« zurückgenommen. Dieses Dekret hätte den Ausbau und die Privatisierung wichtiger Wasserwege in der Amazonas-Region, insbesondere der Flüsse Tapajós, Madeira und Tocantins, ermöglicht. Ziel war es, die Durchfahrt für größere Frachtschiffe von Agrarkonzernen wie Cargill zu erleichtern. Die Entscheidung markiert einen bedeutenden Erfolg für die indigenen Gemeinschaften, die seit Langem um den Schutz ihrer heiligen Länder und die Bewahrung der Umwelt kämpfen.
Vorausgegangen waren intensive Proteste indigener Gruppen und Umweltverbände, die vor den Hafenterminals des US-amerikanischen Agrarkonzerns Cargill in Santarém zusammenkamen. Die Indigenen warnten eindringlich vor den katastrophalen Umweltschäden, die durch das Ausbaggern der Flüsse und den erhöhten Schiffsverkehr entstehen würden. Ein zentraler Kritikpunkt war zudem, dass die betroffenen Gemeinschaften entgegen gesetzlicher Vorschriften nicht ausreichend zu den Plänen angehört worden waren. Dies stand im krassen Gegensatz zu den Wahlkampfversprechen von Präsident Lula im Jahr 2022, die Rechte indigener Völker zu respektieren und den Kampf gegen die Umweltzerstörung in Amazonien zu führen.
Nach intensiven Gesprächen mit Vertretern der indigenen Völker von Tapajós, Tocantins und Madeira machte die Regierung von Präsident Lula nun einen Rückzieher. Guilherme Boulos, Leiter des Präsidialbüros, erklärte die Aufhebung des Dekrets 12.600 und betonte die Fähigkeit der Regierung, auf die Bevölkerung zu hören und Entscheidungen gegebenenfalls zu überprüfen. Auch die Ministerin für indigene Völker, Sonia Guajajara, äußerte sich erfreut über die Kehrtwende. Diese Entscheidung wird als ein Zeichen gewertet, dass der Dialog mit den traditionellen Gemeinschaften in Amazonien ernst genommen wird, auch wenn die mächtige Agrarlobby weiterhin auf den Ausbau der Infrastruktur drängt.
Die Freude und Erleichterung unter den indigenen Völkern ist groß. Gilson Tupinambá fasste die Stimmung mit den Worten zusammen: »Wir haben gegen den Riesen Cargill gekämpft; aber sie haben sich geirrt, denn wir sind die Riesen.« Er betonte die tiefe spirituelle Verbindung zum Land: »Unser Kampf ist uralt. Dieses Land hier ist heilig. Und heute ist es uns mit unserer Spiritualität gelungen, das Todesurteil aufzuheben.« Dieser Sieg ist mehr als nur die Aufhebung eines Dekrets; er ist eine Bestätigung der Resilienz und des kulturellen Erbes der indigenen Gemeinschaften, die weiterhin für den Erhalt ihres Lebensraumes und ihrer Identität kämpfen werden.
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