Die anhaltende Trockenheit in Deutschland entwickelt sich zu einer schweren Krise für die gesamte Wirtschaft. Ein extrem niedriger Wasserstand bringt den Schiffsverkehr auf dem Rhein fast vollständig zum Stillstand. An der flachsten Stelle des Flusses bei Kaub erreichte der Pegel am Montag nur noch etwa 16 Zentimeter. Für die normale Frachtschifffahrt ist jedoch eine Tiefe von mindestens 40 Zentimetern erforderlich. Viele Schiffe können deshalb nur noch ein Fünftel ihrer normalen Ladung transportieren. Einige Frachter stellen den Betrieb auf dem Fluss bereits komplett ein. Die Notlage betrifft nicht nur den mittleren Abschnitt des Rheins. Auch in Städten wie Köln, Düsseldorf und Duisburg liegen die Pegel auf historischen Tiefständen.
Experten warnen vor den Folgen für den Schiffsverkehr. Der Binnenschifffahrtsverband BDB befürchtet eine Teilung des Flusses in zwei Hälften. Wenn der Pegel bei Kaub weiter fällt, wird die durchgehende Schifffahrt unmöglich. Der Norden bliebe dann nur noch mit den Häfen in den Niederlanden und Belgien verbunden. Der Süden müsste Frachten über andere Wasserstraßen wie den Main oder den Neckar bewegen. Unternehmen versuchen nun verzweifelt, Güter auf Lastwagen oder Güterzüge zu verlagern. Die Straßen und die Schiene sind jedoch bereits stark überlastet. Ein einziges großes Binnenschiff ersetzt bis zu 150 Lastwagen. Der Umstieg auf die Straße verursacht extrem hohe Kosten und führt zu langen Staus. Mehrere Bundesländer haben deshalb das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen aufgehoben. Die Politik versucht mit Notmaßnahmen, die Lieferketten in Deutschland vor dem Zusammenbruch zu bewahren.
Die Wirtschaft leidet ohnehin schon unter hohen Energiepreisen und einem schwachen Wachstum. Binnenschiffe transportieren etwa fünf Prozent aller Güter in Deutschland. Dazu gehören vor allem wichtige Rohstoffe wie Kohle, Eisenerz, Benzin und chemische Erzeugnisse. Wichtige Industriezweige wie die Stahlindustrie und die Chemiebranche geraten ohne diese Rohstoffe in große Not. Forscher haben ausgerechnet, dass ein Monat mit Niedrigwasser die deutsche Industrieleistung um ein Prozent senkt. Ökonomen erwarten für das laufende Jahr einen Verlust beim Bruttoinlandsprodukt von bis zu 0,4 Prozent. Das bereits sehr geringe Wirtschaftswachstum könnte dadurch vollständig verloren gehen. Experten schätzen die finanziellen Schäden für das dritte Quartal auf bis zu zwei Milliarden Euro.
Klimaforscher sehen in der aktuellen Lage kein einzelnes Ereignis mehr. Extreme Trockenheiten treten in Europa immer häufiger und deutlich länger auf. Nach den Jahren 2018 und 2022 erlebt der Rhein bereits die dritte schwere Krise innerhalb weniger Jahre. Der heiße Sommer führte in ganz Westeuropa zu sehr geringen Niederschlägen. Früher führte der Rhein im Sommer viel Wasser aus den schmelzenden Schichten der Alpen. Durch den Rückgang der Gletscher und des Schnees in den Bergen fehlt dieser natürliche Speicher heute fast komplett. Dürre am Rhein zeigt damit die direkten Folgen des Klimawandels auf die deutsche Industrie.
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