Der seit mehreren Jahren für die Deutsche Welle (DW) tätige Korrespondent Alican Uludağ wurde von der Staatsanwaltschaft in Istanbul verhört, nachdem er in Ankara festgenommen wurde. Laut DW erfolgte die Festnahme vor den Augen seiner Familie durch etwa 30 Polizisten. Der Vorfall hat eine Welle der Empörung ausgelöst, wobei die größte türkische Journalistenvereinigung, Menschenrechtsaktivisten und die Bundesregierung die sofortige Freilassung des Journalisten forderten. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) betonte, dass “Journalistische Arbeit ist keine Straftat” und bezeichnete die Vorwürfe als haltlos.
Uludağ werden “Verbreitung irreführender Informationen an die Öffentlichkeit”, “Beleidigung des Präsidenten” sowie “Beleidigung der türkischen Nation, des Staates und der Institutionen” vorgeworfen. Die Vorwürfe beziehen sich laut DW auf einen etwa eineinhalb Jahre alten Post auf der Plattform X, in dem Uludağ Maßnahmen der Regierung kritisiert haben soll, die zur Freilassung möglicher Terroristen des “Islamischen Staates” geführt hätten, sowie Korruption. Als langjähriger Gerichtsreporter deckte Uludağ laut DW Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und Prozesse auf. Seine Wohnung wurde durchsucht und IT-Geräte beschlagnahmt.
International wurde Uludağs mutiger Journalismus bereits 2021 mit dem Raif Badawi Preis in Deutschland gewürdigt. Die Friedrich-Naumann-Stiftung hob damals seine Artikel über Korruption in Regierungskreisen und Recherchen zu Strafverfolgungs- und Sicherheitsdiensten hervor. Auch innerhalb der Türkei regt sich Widerstand: Der Vorsitzende der oppositionellen CHP-Partei, Özgür Özel, bezeichnete die Festnahme als “Schikane” und versicherte, die Medienfreiheit und grundlegendsten Menschenrechte weiterhin zu verteidigen und an der Seite unabhängiger Journalisten zu stehen.
Die Festnahme Alican Uludağs ist ein weiteres alarmierendes Zeichen für den Zustand der Pressefreiheit in der Türkei. Laut Deutschem Journalisten-Verband (DJV) sitzen unzählige Journalisten in der Türkei in Haft. Die Türkei belegt in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen Platz 159 von 180 Staaten, was die schwierige Lage verdeutlicht. Ein Großteil der Medien im Land steht unter direkter oder indirekter Kontrolle der Regierung, was die unabhängige Berichterstattung extrem erschwert. Die Deutsche Welle fordert, dass ihre Mitarbeiter in der Türkei frei arbeiten und unabhängig berichten können.
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