Der puerto-ricanische Musiker Willie Colón, gefeiert als der »King of Salsa«, ist im Alter von 75 Jahren verstorben. Seine Familie gab am Samstag auf Facebook bekannt, dass Colón »friedlich« im Kreise seiner Liebsten gestorben sei. Die Nachricht löste weltweit Trauer in der Musikszene aus. Jenniffer González, die Gouverneurin von Puerto Rico, würdigte ihn auf X als »Meister der Posaune, Architekt des Salsa-Sounds und ewiges Vorbild unserer kulturellen Identität«. Colón hinterlässt ein immenses Erbe, das die lateinamerikanische Musik maßgeblich geprägt hat. Seine einzigartige Fusion aus afrokaribischen Rhythmen, Jazz und Folk definierte ein ganzes Genre.
Als Mitbegründer des Salsa-Stils, der Mitte der Sechzigerjahre in den Latino-Vierteln New Yorks entstand, prägte Colón die Entwicklung der Musik von Grund auf. Geboren in der New Yorker Bronx, entdeckte er schon früh seine Leidenschaft für afrokaribische Klänge, die seine aus Puerto Rico stammenden Großeltern täglich hörten. Zu seinem elften Geburtstag erhielt er von seiner Großmutter Antonia eine Trompete, ein Geschenk, das seine musikalische Laufbahn entscheidend prägte. Bereits mit 15 nahm er erste Lieder auf, und mit nur 17 Jahren veröffentlichte Colón, der inzwischen zur Posaune gewechselt hatte, seine Debüt-LP »El Malo« im Jahr 1967. Diese Platte, erschienen beim legendären Salsa-Label Fania Records, wurde ein durchschlagender Erfolg und katapultierte Colón sowie seinen Leadsänger Héctor Lavoe zu Stars des Genres.
In seiner über 50-jährigen Karriere veröffentlichte Willie Colón rund 40 Alben, die sich beeindruckende 30 Millionen Mal verkauften. Viele seiner Songs gelten heute als unsterbliche Klassiker der Salsa-Musik. Ein Meilenstein war das 1978 mit dem Salsa-Poeten Rubén Blades aufgenommene Album »Siembra«, das bis heute als die meistverkaufte Salsa-Platte der Geschichte gilt. Obwohl Musikkritiker ihn nicht unbedingt als Virtuosen an seinem Instrument oder begnadeten Sänger bezeichneten, lobten sie seine Authentizität und Effektivität. Colón wurde zudem als brillanter Komponist und Produzent gefeiert, bekannt für seine Experimentierfreudigkeit und die Fusion verschiedenster Stile. Das US-Fachblatt »Billboard« zählte ihn zu den »30 einflussreichsten Latino-Künstlern aller Zeiten«. Für den kubanischen Autor Leonardo Padura war er sogar »einer der unentbehrlichen Götter in der Salsa-Mythologie«.
Colóns Lebensweg war auch von sozialem Engagement geprägt. Früh musste er lernen, sich durchzusetzen und seine Familie zu schützen, was ihn später zu einem Fürsprecher der Bürgerrechte der spanischsprachigen Minderheit in New York machte. Er war Berater für kulturelle Belange der Latinos unter Bürgermeister Michael Bloomberg und bewarb sich erfolglos um das Amt des Ombudsmannes. Seine politische Ausrichtung änderte sich im Laufe der Jahre: Von einer anfänglichen Unterstützung der Demokraten, wie Hillary Clinton 2008, wechselte er später zu einer Befürwortung Donald Trumps und konservativer Positionen, was ihm Kritik von Fans einbrachte. Neben seiner Musikkarriere war Colón auch als Schauspieler in Filmen und Serien aktiv. Im April 2021 erlitt er bei einem Wohnmobilunfall schwere Verletzungen, wonach es zunehmend still um den legendären Musiker wurde. Sein Tod markiert das Ende einer Ära in der Salsa-Musik.
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