Der renommierte Ökonom und Wirtschaftsweise Achim Truger hat sich in seiner Kolumne im Magazin »Surplus« fassungslos über die Art und Weise geäußert, wie die Entscheidung über das Ende von Ulrike Malmendiers Amtszeit im Sachverständigenrat der Wirtschaftsweisen kommuniziert wurde. Truger wusste eigenen Angaben zufolge offiziell nichts von Malmendiers bevorstehendem Abschied und bezeichnete ihren »Rausschmiss« als »mehr als überraschend«. Er kritisiert vehement, dass diese bedeutende Entscheidung ohne vorherige Kommunikation mit der Betroffenen selbst und den übrigen Ratsmitgliedern erfolgte. Die Mitglieder des Gremiums hätten das Geschehen, so Truger, lediglich »staunend aus den Medien verfolgen« können. Erst am letzten Tag von Malmendiers Amtszeit seien die Wirtschaftsweisen informiert worden. Obwohl rechtlich nicht zu beanstanden, fehle es hierbei deutlich an respektvollem und vertrauenserweckendem Umgang sowie »dem allerbesten Stil«.
Malmendiers Mandat im Sachverständigenrat wurde nach dreieinhalb Jahren nicht verlängert. Hintergrund dieser Entscheidung ist das Vorschlagsrecht der Union für die Besetzung dieser speziellen Position. Berichten zufolge soll vor allem Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sich vehement für eine Ablösung Malmendiers ausgesprochen haben, eine Haltung, die vom Kanzleramt unterstützt wurde. Dieser Schritt löste innerhalb der Bundesregierung auch politische Kritik aus; das SPD-geführte Bundesfinanzministerium äußerte sich kritisch zu der Entscheidung, was auf einen Koalitionsstreit hindeutet, in dem Malmendier zur Schachfigur wurde.
In seiner Kolumne nimmt Truger auch die allgemeine Rolle und das Selbstverständnis des Sachverständigenrats in den Blick. Er beschreibt den modernen Rat als einen »konstruktiven Begleiter der Politik«, dessen Aufgabe es sei, »pragmatisch Optionen zur Lösung wirtschaftlicher Probleme aufzuzeigen«. Truger betont, dass der Rat wirtschaftspolitisch »keinem klaren Paradigma mehr zuzuordnen« sei. Die Tatsache, dass das Gremium nur noch selten klare Empfehlungen an die Politik richte, sei keineswegs eine Schwäche. Vielmehr spiegele dies »den internationalen, stark empirisch geprägten Mainstream der VWL« wider, was eine moderne und differenzierte Herangehensweise an komplexe wirtschaftliche Fragestellungen bedeute.
Nach dem Ausscheiden von Ulrike Malmendier besteht der Sachverständigenrat nun aus nur noch vier Mitgliedern. Die Leitung des Gremiums obliegt der Münchener Ökonomin Monika Schnitzer. Neben Achim Truger gehören Veronika Grimm und Martin Werding dem Rat an. Bereits am Montag hatte sich das Gremium offiziell zur Causa Malmendier geäußert und die Entscheidung mit »großer Verwunderung und allergrößtem Bedauern« zur Kenntnis genommen, wie es in einer Mitteilung hieß. Allerdings distanzierte sich Veronika Grimm später von dieser Erklärung, was die internen Spannungen und unterschiedlichen Meinungen innerhalb des Rates in dieser Angelegenheit weiter unterstreicht. Die gesamte Angelegenheit wirft ein Schlaglicht auf die komplexen Beziehungen zwischen Wirtschaftsexperten und Politik.

