Michael Ballack hegt nach wie vor tiefe Enttäuschung über das Ende seiner Karriere in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und insbesondere über das Verhalten des damaligen Bundestrainers Joachim Löw. In der Sky-Sendung »Meine Geschichte« blickt Ballack auf die kritische Phase nach seiner schweren Verletzung kurz vor der Weltmeisterschaft 2010 zurück. Ein Foul von Kevin-Prince Boateng im englischen Pokalfinale beendete jäh seine Hoffnungen, das Team als Kapitän durch das Turnier in Südafrika zu führen. Die Verletzung zwang den damaligen Chelsea-Spieler zu einer Absage, was den Weg für eine Umstrukturierung des Teams ebnete. Ohne Ballack erreichte die DFB-Elf den dritten Platz bei der WM, mit Philipp Lahm als neuem Kapitän.
Ballack empfand die Folgemonate und Löws Umgang mit ihm als »ungerecht«, vor allem wegen der mangelnden Kommunikation. Er kritisiert Löw dafür, dass dieser sich nicht direkt mit ihm austauschte. Ein zentraler Punkt seiner Kritik ist das Schweigen Löws, als Philipp Lahm in einem Interview erklärte, die Kapitänsbinde nicht mehr abgeben zu wollen. Ballack betont, dass Lahms Aussage kein »Alleingang« gewesen sei, was impliziert, dass es möglicherweise eine Absprache oder zumindest eine Duldung seitens des Trainerstabs gab. Diese Ereignisse hinterließen bei Ballack den Eindruck, dass er von der Teamführung im Stich gelassen wurde, insbesondere in einer so sensiblen Frage der Führungsposition.
Obwohl lange über ein Comeback des 98-fachen Nationalspielers spekuliert wurde, kam es dazu nie. Die endgültige Entscheidung über das Ende seiner Nationalmannschaftslaufbahn teilte der Bundestrainer Ballack erst im Juni 2011 mit – ein Jahr nach der WM. Ballack hätte sich in dieser Angelegenheit eine wesentlich »offenere Kommunikation« von Löw gewünscht. Er argumentiert, dass es der Respekt vor seinen zehn Jahren und seinen Leistungen für die Nationalmannschaft gebieten würde, ihm solche Entscheidungen »ins Gesicht zu sagen«, anstatt sie über Dritte oder mit großer Verzögerung zu übermitteln. Dieses Vorgehen empfand Ballack als äußerst respektlos und persönlich verletzend.
Eine direkte Aussprache zwischen Ballack und Löw fand, entgegen Ballacks Bemühungen, niemals statt. Der ehemalige Kapitän suchte das Gespräch aktiv, doch Joachim Löw wich damals aus. »Für mich war das zu dem Zeitpunkt einfach enttäuschend«, so Ballack, der heute 49 Jahre alt ist. Das Gefühl, nach all seinen Verdiensten und seiner Führungsrolle nicht die Wertschätzung eines direkten und ehrlichen Dialogs zu erhalten, prägt bis heute Ballacks Sicht auf die damaligen Ereignisse. Sein Wunsch nach einer klaren und respektvollen Verabschiedung blieb unerfüllt, was die Trennung zwischen Spieler und Nationalmannschaft bis heute als unüberwunden erscheinen lässt.

